KMU im Zentrum der europäischen Wachstumsstrategie

Ein Kreis, der aus verschiedenfarbigen, ineinandergreifenden Holzteilen gebildet wird

Auf innovationsstarken KMU liegt ein besonderer Fokus in der EU-Strategie. Um erfolgreiche Förderanträge in Horizont 2020 zu stellen, ist es daher hilfreich, die Bedeutung der KMU für die Ziele der EU zu verstehen.

Die Strategie "Europa 2020" ist die Wachstumsstrategie der Europäischen Union für das kommende Jahrzehnt. Sie skizziert die Vision einer europäischen sozialen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts, in der wissensbasiertes, nachhaltiges und integratives Wachstum im Vordergrund stehen wird. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen - nicht zuletzt aufgrund ihrer Leistungs- bzw. Anpassungsfähigkeit und Innovationsstärke - eine Schlüsselfunktion für die in diesem politischen Rahmen angestrebte dynamische Wirtschaftsentwicklung in Europa.

Auch im "Small Business Act" für Europa (SBA), der bereits im Juni 2008 angenommen wurde, spiegelt sich der politische Wille der Europäischen Union wider, die zentrale Rolle des Mittelstandes für die europäische Wirtschaft auszubauen. Denn über 20 Millionen KMU, welche gemäß der aktuellen europäischen KMU-Definition 99 % aller Unternehmen in der EU ausmachen (siehe SME Performance Review), bilden die Hauptantriebskraft für wirtschaftliches Wachstum, Innovation, Beschäftigung und soziale Integration in Europa.

Ein neuer, integrierter Förderansatz für KMU in Horizont 2020

Die Leitinitiative Innovationsunion der Strategie "Europa 2020" hat die politischen Akteure in Kommission, Rat und Parlament der Europäischen Union - bereits vor den offiziellen Verhandlungen zum neuen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation - verpflichtet, eine höhere Beteiligung von KMU an den zukünftigen EU-Förderprogrammen anzustreben. Entsprechend hatte der Europäische Rat in seinen Schlussfolgerungen vom 4. Februar 2011 die Europäische Kommission gebeten, für Horizont 2020 auch die Übertragbarkeit des amerikanischen "Small Business Innovation Research Scheme" auf europäische Verhältnisse zu überprüfen.

Horizont 2020 - das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (2014 - 2020) wurde am 3. Dezember 2013 offiziell verabschiedet. Es integriert erstmalig die Förderinstrumente des 7. Forschungsrahmenprogramms (FP7), des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT) und des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) aus der früheren Finanzierungsperiode von 2007 - 2013.

Die für die Zielgruppe der KMU verwendeten Förderschemata aus FP7 und CIP wurden dabei zu einem umfassenden, wesentlich vereinfachten und leicht zugänglichen KMU-spezifischen Instrument zusammengeführt, das themen- und technologieübergreifend in den Teilen II (Führende Rolle der Industrie) und III (Gesellschaftliche Herausforderungen) von Horizont 2020 Anwendung finden wird. Es bietet KMU die Möglichkeit der Förderung von marktnahen Innovationsprojekten im eigenen unternehmerischen Umfeld.

Erstmalig erlauben die Beteiligungsregeln von Horizont 2020 sogar die europäische Förderung von Einzelunternehmen, falls eine europäische Dimension des betreffenden Innovationsvorhabens vorhanden ist.

KMU-Beteiligung als Querschnittsaufgabe in Horizont 2020

KMU sind aufgerufen, sich an allen Bereichen des Spezifischen Programms zur Implementierung von Horizont 2020 aktiv zu beteiligen. In einem breiten Innovationskonzept werden - entlang der gesamten Innovationskette - alle Formen innovativer Unternehmen angesprochen. Sie sollen über nachweisbare Wachstumspotenziale sowie eine europäische bzw. internationale Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit verfügen.

Die Einbindung von KMU ist demnach auch als Querschnittsaufgabe in Artikel 14 der Horizont-2020-Verordnung verankert. Die Möglichkeiten zur Förderung von KMU sind dabei vielfältig und reichen von "klassischen" europäischen Verbundprojekten bis zu dem neuen KMU-spezifischen Instrument (siehe oben).

Der integrierte und zielübergreifende Förderansatz für KMU in Horizont 2020 hat zum Ziel, dass 20 % der kombinierten Budgets der Programmteile II, "Führende Rolle bei grundlegenden und industriellen Technologien", und III, "Gesellschaftliche Herausforderungen", an KMU vergeben werden. Das entspricht in etwa 8,65 Milliarden Euro (in aktuellen Preisen) für die gesamte Programmlaufzeit von 2014 bis 2020. Der relative Anteil des KMU-Instruments wird nach und nach von anfänglich 5 auf schließlich mindestens 7 % erhöht, was mindestens 3 Milliarden Euro entspricht.

Neue Finanzierungsinstrumente für KMU

Industrieunternehmen sollen in Horizont 2020 verstärkt von der Nutzung von Risikofinanzierungsinstrumenten profitieren, welche die Bereitstellung von Krediten, Bürgschaften oder Beteiligungskapital z. B. für KMU erleichtern. Sie tragen dazu bei, private Innovationen in Forschung und Entwicklung zu stimulieren und dadurch Hebelwirkungen für den Einsatz europäischer Fördermittel zu erzielen. Horizont 2020 sieht ein Budget von 2,84 Milliarden Euro für Finanzierungsfazilitäten und entsprechende Begleitmaßnahmen vor; ein Drittel des vorgesehenen Budgets sollen dabei für KMU und Mid-Caps verwendet werden.

Unter Horizont 2020 werden bewährte Instrumente der Finanzierungsperiode von 2007 - 2013 fortgesetzt, wie z. B. die Fazilität für Finanzierungen auf Risikoteilungsbasis (RSFF) und das Risk Sharing Instrument (RSI).